Was KI aus dem Klinikalltag macht, wenn sie mitentscheidet

Drei Jahre mit Prof. Valmed in der Praxis

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Vom Pilotprojekt zur Alltagsrealität

Es gibt Gespräche, die man nach einem Jahr führt und merkt, dass die Realität die Prognose eingeholt hat. Und es gibt Gespräche, in denen man merkt, dass sie sie überholt hat.

Mein drittes Gespräch mit Prof. Dr. Heinz Wiendl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am Universitätsklinikum Freiburg und Co-Gründer von Prof. Valmed, gehört zur zweiten Kategorie.

Als wir uns das erste Mal unterhielten, war Prof. Valmed noch eine Idee mit konkretem Plan. Beim zweiten Gespräch stand der Klinikstart kurz bevor. Heute ist das System am Universitätsklinikum Freiburg ausgerollt – einem der ersten großen europäischen Kliniken, in dem eine zertifizierte KI-Lösung mit vollständiger LLM-Integration tatsächlich im Alltag läuft. Nicht als Pilotprojekt. Nicht als freiwilliges Zusatztool. Sondern als integrierter Bestandteil des klinischen Workflows.

Was der Companion-Modus konkret bedeutet

Was das konkret bedeutet: Wenn eine Ärztin morgens in die Ambulanz kommt und die Nierenwerte eines Patienten über Nacht schlechter geworden sind, bekommt sie nicht nur den Alert. Sie bekommt gleichzeitig eine evidenzbasierte Einschätzung dazu, ob ein Antibiotikum angepasst werden muss, mit Quellenreferenzierung. Sie muss nicht extra eine Seite öffnen, nicht extra suchen. Die KI läuft mit. Heinz nennt das den Companion-Modus. Und er sagt, das sei der eigentliche Gamechanger, weit über das hinaus, was eine Standalone-Lösung je leisten könnte.

Was die Kolleginnen und Kollegen wirklich sagen

Change Management ist das Wort, das Heinz in unserem Gespräch mehrfach verwendet. Und das ist kein Zufall. Denn die Einführung einer KI-Lösung in ein Klinikum ist kein technisches Problem. Es ist ein menschliches. Es gibt die Early Adopters, etwa 20 bis 30 Prozent, die sofort begreifen, was möglich ist. Es gibt die, die ohne Prof. Valmed nicht mehr arbeiten wollen. Und es gibt eine Gruppe, die Heinz besonders beschäftigt: Menschen, die nicht grundsätzlich gegen Technologie sind, aber Angst haben, dass ihre Arbeit kontrolliert wird.

Das ist eine Angst, die man durch Kommunikation ausräumen muss. Durch Ambassadore, die nicht Chefinnen und Chefs sind, sondern Oberärztinnen und Assistenzärzte, die aus dem eigenen Alltag berichten.

Die Frage, die mich wirklich beschäftigt

Ich gebe zu, dass mich ein Thema in diesem Gespräch mehr beschäftigt als alle anderen: De-Skilling. Die Frage, ob wir als Ärztinnen und Ärzte verblöden, wenn wir KI systematisch in unsere Entscheidungen einbeziehen.

Heinz ist da pragmatischer als ich. Er sagt, dass der klinische Blick, das Abwägen von Wahrscheinlichkeiten, das Einordnen diffuser Symptome, genau das ist, was KI nicht übernehmen kann. Gleichzeitig sagt er etwas, das mich nachdenklich macht: In der studentischen Ausbildung braucht es zuerst eine KI-freie Zone. Dann eine Phase, in der absichtlich falsche Antworten eingebaut werden, damit Studierende das kritische Denken trainieren. Und erst dann die volle KI-Unterstützung.

Was das für die ärztliche Rolle bedeutet

Ich glaube, dass wir gerade einen Kulturwandel erleben, der tiefer geht als jede technische Frage. Wir sind lange Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter mit einem klaren Informationsvorsprung gewesen. Dieser Vorsprung existiert so nicht mehr. Was bleibt, ist das, was KI nicht kann: zuhören, aushalten, Vertrauen aufbauen, eine Diagnose in einen Lebenskontext einbetten.

Heinz bringt dazu ein Bild, das ich nicht mehr loswerden: Die Zeit vor der Ätheranästhesie war die Zeit des schnellen Chirurgen. Dann kam die Narkose und plötzlich ging es um Präzision. Das Berufsbild redefinierte sich komplett. Genau das passiert gerade wieder.

Was du jetzt tun kannst

Heinz gibt am Ende der Folge einen klaren Rat: Fang mit einem Kurs an. Verstehe, was KI ist, was ein LLM ist, wo die Grenzen liegen. Prof. Valmed bietet dazu eine eigene CME-akkreditierte Akademie an unter profvalmed.com/academy. Und dann: Ausprobieren. Nicht warten, bis alle anderen angefangen haben.

Die ganze Folge hörst du jetzt im docsdigital Podcast. Mehr zu Prof. Valmed unter profvalmed.com und Heinz Wiendl auf LinkedIn.