So gestaltest du erfolgreich den Übergang zu deiner digitalen Arztpraxis
Dr. Martin Deile

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Wie Dr. Martin Deile seine Praxis digital organisiert und warum das kein Hexenwerk ist
Wenn Hausärztinnen und Hausärzte über Digitalisierung sprechen, fallen oft dieselben Worte. Kompliziert, teuer, unsicher, zu viel Aufwand. Dr. Martin Deile aus Dresden beweist das Gegenteil. Er führt seit 2019 eine Hausarztpraxis, die von Beginn an digital gedacht war, mit klaren Prozessen, schlanken Abläufen und einem Setup, das funktioniert. Was bei ihm zählt, ist kein Technikfetisch, sondern Struktur, Pragmatismus und die richtige Haltung.
Vom Anästhesisten zum Hausarzt mit System
Martin Deile war zehn Jahre als Anästhesist und Notarzt tätig, bevor er sich für die eigene Praxis entschied. Sein Ansatz lautet, dass alles, was analog gut funktioniert, digital noch besser werden kann. Der Start war konsequent. Kein Papierarchiv, keine Altlasten, kein Faxgerät. Stattdessen standardisierte Prozesse, ein Mac-Server, definierte Workflows und die klare Entscheidung, Tools erst dann einzusetzen, wenn sie auch stabil laufen.
Heute betreut er rund 1500 Patientinnen und Patienten im Quartal, mit einer Praxisorganisation, die in Sekunden funktioniert. Seine Botschaft ist einfach. Digitalisierung beginnt nicht mit Software, sondern mit Standardisierung. Erst wer seine Abläufe im Griff hat, kann sie automatisieren.
EAU und E-Rezept: pragmatisch eingeführt
Während andere noch diskutierten, hat Deile ausprobiert. Zuerst testweise, dann vollständig umgestellt. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und das E-Rezept laufen bei ihm seit Monaten stabil. Wichtig war der richtige Zeitpunkt. „Wir haben immer erst dann umgestellt, wenn die Technik auf allen Seiten funktioniert hat, bei uns, bei den Kassen und in den Apotheken“, sagt er.
Sein Tipp lautet, lieber einen klaren Stichtag zu setzen und dann ganz umzustellen, anstatt parallel analog und digital zu arbeiten. Die Hybridphase kostet Zeit, Konzentration und Nerven.
Der Praxis-Messenger als Gamechanger
Was Patientinnen und Patienten wirklich begeistert, ist der direkte und sichere Kontakt zur Praxis. Über einen verschlüsselten Messenger können sie Rezepte anfordern, Krankschreibungen melden oder kurze Rückfragen stellen. Kein Telefonchaos, kein E-Mail-Pingpong.
„Das entlastet das Team enorm“, sagt Deile. „Unsere MFA wollen am Patienten arbeiten und nicht Papiere scannen oder Faxe sortieren.“ Für die Patientinnen ist der Messenger längst selbstverständlich. Sie erwarten diese Form der Kommunikation genauso wie bei jeder anderen Dienstleistung.
Digitalisierung heißt bessere Medizin
Digitale Tools sind für Deile kein Selbstzweck. Sie sollen helfen, Medizin besser zu machen. Mit seinem digitalen Medikationsmanagement erkennt er heute Interaktionen, die früher leicht übersehen wurden. Blutdruck, Gewicht, SpO₂ oder EKG-Daten fließen automatisiert in die Akte, vorausgesetzt, die Schnittstellen stimmen. „Viele Systeme sind noch Insellösungen“, sagt er. „Wir brauchen endlich einheitliche Standards, damit Daten dort ankommen, wo sie gebraucht werden, beim behandelnden Arzt.“
Mut zur Veränderung
Wer mit Deile spricht, spürt, dass es hier nicht um Technikbegeisterung geht, sondern um Verantwortung. Es geht um den Willen, Medizin effizienter, sicherer und patientennäher zu gestalten. Sein Rat an Kolleginnen und Kollegen lautet, Mut zur Veränderung zu haben, aber mit Plan.
Wer eine Praxis neu gründet, sollte so viel wie möglich selbst gestalten und eigene Entscheidungen treffen, statt teure Komplettpakete einzukaufen. Wer schon länger niedergelassen ist, kann Schritt für Schritt modernisieren. Jede Praxis, die sich digitalisiert, wird attraktiver, für junge Kolleginnen und Kollegen ebenso wie für Patientinnen.

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