Wie groß ist wirklich dein Einfluss auf den Alltag deiner chronisch kranken Patienten?
Wie Oskar Health hilft, dass Therapie nicht an der Praxistür endet

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Warum die Umsetzung scheitert
Ich bin ehrlich. Wenn ich das Wort digitales Versorgungsmodell höre, bin ich zunächst skeptisch. Zu viele Konzepte versprechen Entlastung und führen am Ende zu noch mehr Aufwand. Gerade in der hausärztlichen Versorgung von chronisch kranken Patientinnen und Patienten stoßen wir täglich an Grenzen. Die Therapiepläne sind korrekt, die Verordnung ist leitliniengerecht, doch im Alltag verpufft vieles.
Darum wollte ich genau wissen, was hinter Oska Health steckt. Das Unternehmen sagt, es bringe ärztliche Therapie wirklich in den Alltag. Im Gespräch mit Niklas Best, Gründer und Geschäftsführer, wurde deutlich, dass er das System aus eigener Erfahrung kennt und verstanden hat, wo Praxen heute scheitern.
Die Idee hinter Oska Health
Niklas Best war viele Jahre bei Fresenius tätig und hat dort gesehen, dass medizinische Entscheidungen meist richtig sind, die Umsetzung jedoch nicht gelingt. Etwa die Hälfte aller Patientinnen nimmt Medikamente nicht regelmäßig ein. Noch mehr schaffen es nicht, empfohlene Lebensstiländerungen dauerhaft durchzuhalten.
Diese Versorgungslücke wollte er schließen. Oska Health setzt auf eine Kombination aus Fachpflege, Ernährungsberatung und verhaltenswissenschaftlich geschulten Coaches. Patientinnen werden per Video und Chat begleitet, um die ärztliche Therapie Schritt für Schritt im Alltag umzusetzen.
Entlastung statt Mehraufwand für Praxen
Ich habe Niklas gefragt, was viele denken. Noch ein Programm, noch ein Login, noch mehr Papierkram? Seine Antwort war klar. Die Einschreibung funktioniert papierlos über einen QR-Code. Die Vergütung ist DMP-ähnlich und der Dokumentationsaufwand minimal. Ärztinnen und Ärzte können den Prozess vollständig an ihr Team delegieren. Die Patientin scannt, schreibt sich ein und Oska Health übernimmt die Betreuung.
Für Praxen bedeutet das, keine zusätzliche Plattform, keine Berichte, die niemand liest, sondern ein System, das wirklich entlastet.
Welche Patientinnen profitieren
Oska Health richtet sich an Menschen mit Nieren- und kardiometabolischen Erkrankungen. Dazu gehören Diabetes, Hypertonie, Adipositas und koronare Herzkrankheit. Das Programm läuft meist über vier Quartale. Patientinnen sprechen regelmäßig per Video-Call mit Fachkräften, erhalten individuelle Empfehlungen, Aufgaben und motivierende Ziele.
Die App ist dabei Werkzeug, aber nicht Mittelpunkt. Entscheidend bleibt die Beziehung. Fachkräfte und Patientinnen arbeiten eng zusammen, um neue Routinen zu entwickeln, die langfristig halten.
Messbare Ergebnisse durch verhaltenswissenschaftliche Methoden
Wichtig ist, dass die Ergebnisse nicht nur gefühlt, sondern gemessen werden. Oskar Health erhebt klinische Daten wie HbA1c, Blutdruck und Gewicht. Ziel ist, Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und den Gesundheitszustand langfristig zu stabilisieren.
Dabei werden wissenschaftlich validierte Methoden eingesetzt, um Verhaltensänderungen zu fördern. Wissen allein reicht nicht, betont Niklas Best. Menschen müssen verstehen, wie sie ihre Ziele praktisch umsetzen können. Kleine Schritte, realistische Ziele und persönliche Begleitung machen den Unterschied.
Ergänzung statt Konkurrenz
Trotzdem blieb meine Skepsis. Ich wollte wissen, ob wir als Ärztinnen wirklich Teile der Kommunikation aus der Hand geben sollen. Niklas Best sieht das anders. Es gehe nicht um Auslagern, sondern um Ergänzen. Ärztliche Kompetenz bleibe das Zentrum, Oska Health sei der verlängerte Arm der Praxis.
Das überzeugt. Denn ehrlich gesagt fehlt uns im Praxisalltag oft die Zeit, jede Lebensstiländerung intensiv zu begleiten. Wenn Patientinnen durch die Begleitung besser vorbereitet in die Sprechstunde kommen, profitieren alle Beteiligten.
Mein Fazit
Ich bin nach dem Gespräch nicht euphorisch, aber überzeugt, dass solche Modelle Teil der Zukunft sein werden. Wenn sie Ärztinnen und Ärzte wirklich entlasten, Kommunikation einfach bleibt und die Ergebnisse stimmen, dann sind sie keine Konkurrenz, sondern eine wertvolle Ergänzung.
Oska Health verbindet medizinisches Wissen, verhaltenswissenschaftliche Ansätze und digitale Begleitung zu einem praktikablen Konzept für die Chronikerversorgung. Es ist ein Beispiel dafür, wie HealthTech sinnvoll eingesetzt werden kann, um Therapieerfolg messbar zu machen.
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