Was machst Du, wenn Dein Patient ChatGPT mehr vertraut als Dir? 

Prof. Dr. Kai Wehkamp im Gespräch über KI, Klinikrealität und ärztliche Verantwortung

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Prof. Dr. Kai Wehkamp ist Internist, Public-Health-Experte und Professor für angewandte Künstliche Intelligenz in der Medizin. Er war lange am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein tätig und ist heute Geschäftsführer des Think Tanks Lohmann Konzept, der innovative Unternehmen im Gesundheitswesen begleitet. Kai Wehkamp kennt die Klinikrealität aus allen Perspektiven. Medizinisch. Wissenschaftlich. Strategisch. Und er bringt sie im Gespräch mit docsdigital klar auf den Punkt.

Der Patient bringt ChatGPT mit in die Sprechstunde

Die neue Realität ist da. Und sie sitzt plötzlich mit im Behandlungszimmer. Patientinnen und Patienten kommen heute mit der eigenen KI in die Praxis. Sie fordern Medikamente. Sie diskutieren Diagnosen. Sie haben sich vorbereitet. Manchmal besser als erwartet. Manchmal gefährlich falsch. Die Folge. Gespräche dauern länger. Entscheidungen werden herausfordernder. Und die Rolle der Ärztin oder des Arztes verschiebt sich.


KI verändert die ärztliche Verantwortung

Kai Wehkamp bringt es auf den Punkt. Es geht nicht um den Hype. Es geht um gute Medizin. KI ist da. Und sie wirkt. Im Positiven wie im Negativen. Sie ist ein Werkzeug. Aber kein Ersatz für ärztliches Denken. Wer KI blind vertraut, gibt Verantwortung ab. Und riskiert Fehler.


Schatten-KI. Wenn das Smartphone zum Entscheidungspartner wird

Viele Kliniken stellen keine geprüften Systeme bereit. Also weichen Ärztinnen und Ärzte auf ihr Privathandy aus. ChatGPT im Bereitschaftsdienst. Whisper-Diktat in der Notaufnahme. Schatten-KI nennt sich das Phänomen. Praktisch. Schnell. Aber ohne rechtliche Absicherung. Ohne Transparenz. Und oft ohne medizinische Qualitätssicherung.


Warum Vertrauen allein nicht reicht

Künstliche Intelligenz klingt überzeugend. Flüssig. Menschlich. Aber sie halluziniert. Und zwar oft. Besonders bei komplexen medizinischen Fragen. Wer nicht weiß, wie diese Systeme funktionieren, kann sie nicht kritisch prüfen. Und wird im Zweifel Teil eines Fehlers.


Du brauchst kein Informatikstudium. Aber ein KI-Verständnis

Niemand muss die Technik im Detail beherrschen. Aber Du solltest verstehen, wie diese Modelle lernen. Wie sie mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Warum aktuelle Studien nicht immer auftauchen. Und welche Systeme wie gut geprüft sind. Nur so kannst Du entscheiden, ob ein Vorschlag wirklich evidenzbasiert ist. Oder nur plausibel klingt.


Shared Decision Making braucht ein Update

Das Konzept der gemeinsamen Entscheidungsfindung bleibt zentral. Aber die Regeln ändern sich. Wenn KI im Raum ist, braucht es neue Gesprächskompetenzen. Patienten müssen verstehen, was die KI weiß. Und was nicht. Ärztinnen und Ärzte müssen die Diskussion steuern. Ohne sich zu verlieren. Ohne zu bevormunden. Und immer mit dem Ziel. Gute Medizin.


Klinikleitungen unterschätzen das Thema

Viele Häuser fokussieren sich auf Ökonomie und Prozessdigitalisierung. Aber sie vernachlässigen das ärztliche Wissensmanagement. Wer heute keine geprüften KI-gestützten Systeme anbietet, verliert Anschluss. Und vergibt Potenziale. Für Qualität. Für Attraktivität als Arbeitgeber. Und für Patientensicherheit.


Was Du jetzt tun kannst

Beginne mit einer einfachen Frage. Welche KI-Systeme nutze ich heute schon. Und warum. Dann hinterfrage sie. Kenne ihre Quellen. Ihre Schwächen. Und ihr Risiko. Baue Wissen auf. Nicht allein. Sondern gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen. Nutze Plattformen. Podcasts. Fortbildungen. Denn KI ist kein Projekt. Sondern ein Prozess. Und der hat längst begonnen.

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